Zur Geschichte des Basler Stadtbuchs


«Das historische Gefühl» müsse «allgemeiner geweckt» werden, um dem «alles zu sehr nivellirenden Geiste unserer Zeit nicht anheimzufallen», erklärte der Jahrbuchgründer Heinrich Boos 1879 das Motiv für sein publizistisches Vorhaben . «Die Kenntnis der Vergangenheit» sei unentbehrlich, «um die Gegenwart verstehen zu lernen». Allerdings dürfe auch die Zeitgeschichte nicht zu kurz kommen, «da auch die Gegenwart ihre Rechte» habe und es zu oft vorkomme, «dass man sie misskennt (…).» Deshalb «soll auch ihr ein Raum gewidmet sein, indem objectiv gehaltene Abhandlungen und Erörterungen uns über unser politisches, gesellschaftliches und sociales Leben Aufschluss geben werden».

Die Zeitgeschichte drängte in der Folge denn auch immer stärker ins Jahrbuch: mit der Einführung einer jährlichen Chronik, mit der Umbenennung in ‹Basler Stadtbuch – Jahrbuch für Kultur und Geschichte› im Jahr 1960 und schliesslich, 1973, mit der völligen Neuausrichtung nach der Übernahme durch die Christoph Merian Stiftung.

Das Stadtbuch ist im Laufe seines Bestehens in mehreren Verlagen erschienen und wurde durch eine ganze Reihe von Herausgebern ediert, es änderte immer wieder das Format und die Gestaltung – doch eines blieb gleich: sein integrativer Zweck.

Wie Heinrich Boos in der Gründungsausgabe, so bekräftigten alle späteren Herausgeber die Absicht, mit dem Stadtbuch vor allem auch die Wahlbaslerinnen und -basler anzusprechen und sie durch die Wissensvermittlung zu integrieren. Gustav Steiner formulierte dies 1960 so: «Aufgabe des Basler Jahrbuches bleibt es, das Wissen um die eigene städtische Vergangenheit und ihre Verbindung mit der Gegenwart, und damit die Heimatliebe und die Zugehörigkeit zu unserer vaterländischen Gemeinschaft lebendig zu erhalten.» Das Stadtbuch soll – so schrieb Adelheid Fässler 1973/74 – nicht nur ein «unentbehrlicher Informationsträger für den Historiker der Zukunft», sondern vor allem auch eine Orientierungshilfe sein: «Der Basler, vor allem der Wahlbasler, braucht, um seine eigenen und die kollektiven Interessen in dem komplex und kompliziert gewordenen Gemeinwesen (…) wahrnehmen zu können, über die Tagespresse hinaus eine verlässliche Orientierungshilfe.»

Auch dem damaligen Direktor der Christoph Merian Stiftung, Hans Meier, der 1976 die Rettung des unrentablen Stadtbuchs ermöglicht hatte, ging es um Integration und Identifikation: Wie die Stiftung, so bemühe sich das Stadtbuch, «das städtische Bewusstsein der Einwohner Basels zu vertiefen und ihre aktive und freiwillige Mitarbeit an Basels Zukunft zu erhalten und zu fördern.» Deshalb sehe die Christoph Merian Stiftung in der Übernahme des Basler Stadtbuchs die Erfüllung einer Verpflichtung, die zu ihren Aufgaben gehöre. Wenig später führte die Herausgabe des Stadtbuches durch die Stiftung sogar zur Gründung des Christoph Merian Verlags. Das Bekenntnis der Stiftung zum Stadtbuch gilt auch heute noch: Das Basler Stadtbuch soll sich weiter entwickeln und durch zeitgemässe Informationsvermittlung integrativ wirken. Galt es 1879, die zugezogenen Schweizer zu integrieren, so sind heute angesichts der grossen Migration und mit Blick auf der Öffnung nach Europa hin Menschen unterschiedlichster kultureller Provenienz angesprochen.

Mit dem Stadtbuch möchte die Christoph Merian Stiftung auch künftig zum Engagement in der Gesellschaft ermuntern. Sie schenkt deshalb jeweils eine grosse Anzahl Exemplare des neuen Stadtbuchs an Schülerinnen und Schüler sowie an Jungbürgerinnen und Jungbürger, auf dass die Region Basel durch seine aktiven Bewohnerinnen und Bewohner eine lebendige Zukunft habe.